Früher waren Proteine durchaus verpönt.
Bevor die medizinische Forschung es klar widerlegt hat, waren sie unter anderem im Verdacht, bei Überdosierung Hufrehe auszulösen – dem kann und darf heute sicher darlegbar und medizinisch korrekt widersprochen werden, denn nicht nur schadet es nicht, nein – auch das Hufrehe Pferd profitiert sogar von einer hohen Proteinzufuhr als Energiequelle.
Doch heute soll es nicht um Hufrehe oder ihre Ursachen gehen, sondern wir beschäftigen uns mit Aminosäuren und wie diese zu Proteinen werden.
Nährstoff: Protein – Eiweiß als Energieträger
Es gibt drei Nährstoffe, die der Körper in Energie umwandeln kann.
- Kohlenhydrate
Kohlenhydrate sind mehr oder weniger viele, aneinandergekettete Zuckermoleküle – lange Zucker-Ketten quasi, genannt Polysaccharide.
Diese verstecken sich unter anderem in Getreide, z.B. in Hafer in Form von Stärke, einer relativ kurzen Kohlenhydrat-Kette. Aber sie stecken auch im Heu! Heu und Gras besteht zu großem Anteil aus Kohlenhydraten, die aber in längere Ketten zusammengelagert sind (langkettige Polysaccharide), auch genannt Strukturkohlenhydrate. Diese liefern auch Energie, aber erst wenn sie im Dickdarm durch die Darmbakterien abgebaut werden.
Hafer und seine kurzen Polysaccharide, die Stärke, liefert also schnell verfügbare Energie, die im Dünndarm verdaut wird und schnell wieder verbraucht ist (oder bei Überfütterung in Speicherfett eingelagert wird). Heu hingegen liefert langsame, kontinuierlich freigesetzte Energie, die die Pferde nicht so „überdreht“ und dafür längerfristig satt und leistungsbereit macht.
- Fette
Fette, genannt Mono- Di- oder Triglyceride, sind ebenfalls hervorragende Energielieferanten und bestehen aus mehr oder weniger langen Ketten aus Fettsäuren. Fette und Fettsäuren haben dabei unterschiedlichste Funktionen. Sie dienen der Energiegewinnung, sind am Aufbau einer elastischen und belastbaren Haut beteiligt, und auch – in Form der Omega-3-Fettsäuren – an der Entwicklung des Gehirns, dem Nervensystem, wirken antientzündlich und regenerierend. Fette sind also deutlich mehr als „nur“ Fettgewebe oder eben ein „lästiger Dickmacher“!
Aber was ist mit der Tatsache, dass Pferde keine Gallenblase haben und deshalb kein Fett vertragen? – Sorry aber das ist keine Tatsache, sondern eine Fehlinformation. Zumindest teilweise! Tatsache ist: Pferde haben keine Gallenblase. Aber – und das ist ein riesiges Aber – sie können trotzdem Fett verdauen!
Auch ohne Gallenblase sind Pferde durchaus in der Lage, Fett zu verdauen!
Die Leber produziert ständig Verdauungsflüssigkeit, sogenannte Galle. Beim Menschen oder anderen Säugetieren, wird diese Galle in der Gallenblase gespeichert und dann auf den Reiz „Nahrungsaufnahme“ ausgeschüttet, um die im Essen enthaltenen Fette zu emulgieren und verdaubar zu machen.
Beim Pferd wird die Gallenflüssigkeit eben nur nicht gesammelt und schwallartig ausgeschüttet, sondern kontinuierlich – was übrigens durchaus Sinn macht, da das Pferd ein Dauerfresser ist! Also ständig kleine Mengen Fett im Dünndarm ankommen, wo sie emulgiert und verdaut werden müssen!
Merke: das Pferd ist hervorragend in der Lange, Fette und Öle zu verdauen! Stichwort: hochwertige Fette und hochwertige Öle! Und es gibt eine Obergrenze was die gleichzeitig aufgenommene Menge der Fette betrifft, die aber in der normalen Fütterung niemals erreicht wird.
Vor allem alte Pferde, die nicht mehr so schnell fressen, weniger Heu aufnehmen oder sogar nur noch mit eingeweichten Cobs ernährt werden können, profitieren von der (durchaus reichlichen) Gabe von hochwertigen Ölen als Energielieferant! Gern in Kombination mit leichtverdaulichen Kohlenhydraten.
- Proteine
Und damit wären wir endlich bei unseren Proteinen angelangt. Proteine bestehen aus Aminosäuren. Aminosäuren sind die kleinste Einheit und es gibt sie in unterschiedlichen Varianten. Diese Aminosäuren legen sich zu Peptiden und dann zu langkettigen Aminosäure-Ketten zusammen, die schließlich die verschiedenen Proteine bilden.
Proteine sind dabei nicht nur zur Energiegewinnung wichtig, sondern auch für sämtliche Prozesse im Körper. Sie dienen dem Muskelaufbau und -erhalt. Sie dienen im Blut als Transportproteine, wo beispielsweise Zucker, Fette oder auch Mineralien transportiert werden (z.B. Albumin ist ein solches Transportprotein). Und zuguterletzt sind Proteine als Enzyme die Katalysatoren und durchführenden Einheiten von allerhand Stoffwechselprozessen.
Aminosäuren – essenziell und nicht essenziell
Eingeteilt werden Aminosäuren zur besseren Übersicht in diejenigen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann (essenziell) und diejenigen, die er selbst synthetisieren kann, z.B. aus anderen Bestandteilen oder auch den essenziellen Aminosäuren. Diese werden als nicht essenzielle Aminosäuren bezeichnet.
essenzielle Aminosäuren
- Lysin
- Methionin
- Threonin
- Leucin
- Isoleucin
- Valin
- Phenylalanin
- Tryptophan
- Histidin
nicht-essenzielle Aminosäuren
- Alanin
- Cystein
- Asparaginsäure
- Glutaminsäure
- Glycin
- Asparagin
- Prolin
- Glutamin
- Arginin
- Serin
- Tyrosin
von der Aminosäure zum Protein
Die einzelnen Aminosäuren haben bereits eine Wirkung im Körper, in verschiedensten Bereichen des Stoffwechsels. Doch werden sie aneinandergereiht zu Aminosäure-Ketten, sind sie in der Lage, Proteine zu bilden, die wiederum überall benötigt werden.

Ausgangspunkt sind die einzelnen Aminosäuren. Diese werden dann nach einem bestimmten Rezept aneinander gereiht und zu Peptiden zusammengefügt. Dann wird weiter und weiter angebaut – aneinandergereiht wie Perlen auf einer Perlenkette – bis mehr oder weniger lange Proteinketten entstehen.
Die Abfolge der Aminosäuren ist dabei strengstens in der DNA verankert und jedwede Abweichung führt dazu, dass das Protein am Ende nicht voll oder sogar gar nicht funktionsfähig ist.
Doch nur das Aneinanderreihen zu einer langen Kette macht noch kein Protein! Dazu werden die Aminosäureketten am Ende auf bestimmte Weise verdreht und gefaltet, sodass die ganz spezifische Form des ganz spezifischen Proteins entsteht. Dann ist das Protein fertig gepuzzelt und kann an die Arbeit gehen.
Einzelstoff Aminosäure – Baustein des Lebens
Aminosäuren sind also nicht nur Bausteine für Muskulatur und Enzyme, sowie Energielieferanten für unsere Zellen – sie sind zudem verantwortlich für ganz viele weitere Prozesse im Körper. Die Aufzählung aller dieser Funktionen würden den Rahmen dieses Blogartikels sprengen, weshalb wir uns auf die 9 essenziellen Aminosäuren fokussieren und deren Wirkung einmal grob anschneiden wollen.

L-Lysin – erstlimitierende Aminosäure
L-Lysin ist die sogenannte erst-limitierende Aminosäure im Pferdeorganismus. Das bedeutet, wenn Lysin ausgeht, kommt die Proteinsynthese zum Erliegen. Ohne Lysin kann kein Protein mehr weitergebaut werden.
Struktur und Proteinbildung
L-Lysin hat weitreichende Funktionen im Körper und ist damit unter anderem wichtig für die Bildung von Strukturproteinen wie Kollagenen. Als Bestandteil von Haut, Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern verleihen Kollagene dem Körper Festigkeit und Struktur. Lysin nimmt hier eine zentrale Rolle ein.
Auch die Proteine, die in der Muskulatur für die Bewegung sorgen, Aktin und Myosin sind in ihrer Bildung abhängig von Lysin.
Weiter wichtig ist Lysin bei der Bildung von verschiedenen Hormonen, Ionenkanälen und Transportproteinen, sowie Enzyme. Besondere Transportproteine sind die Plasmaproteine, welche im Blut zirkulieren und als Transporter für verschiedene Stoffe fungieren. Lipoporteine transportieren hierbei Lipide, also Fette, Hämoglobin transportiert Sauerstoff, Transferrin ist für Eisen und Retinol-bindendes Protein für den Transport von Vitamin A zuständig.
Auch Blutgerinnungsfaktoren und Immunglobuline und Antikörper werden unter Lysin-Einfluss gebildet.
Hydroxylierung in der Kollagen-Synthese
Darunter wird der Prozess verstanden, dass nach der Bildung der Proteine diese durch Modifikationen an bestimmten Aminosäuren verändert werden. Im Falle des Kollagens findet diese Veränderung an den Aminosäuren Lysin und Prolin statt. Dadurch wird eine verbesserte Stabilität und Funktionalität erreicht.
Für diese Hydroxylierung ist auch das Vorhandensein von Vitamin C besonders wichtig. Fehlt auch nur einer der drei funktionellen Stoffe Lysin, Prolin oder Vitamin C, kommt es zu einer Schwächung der kollagenen Strukturen und möglicherweise erhöhter Verletzungsgefahr.
Festere Knochen und Zähne
L-Lysin sorgt für eine gesteigerte Aufnahme des Minerals Calcium in die Knochen- und Zahnstruktur. Dadurch kann es hilfreich sein, einen gesunden Stoffwechsel dieser Gewebe voranzutreiben und kann zudem bei der Heilung oder der Prophylaxe verwendet werden.
Herpes simplex vs. Lysin
Die Hypothese hinter der Annahme, Lysin könnte bei einer Herpesinfektion helfen, liegt in seiner Konkurrenz mit der Aminosäure Arginin zugrunde. Arginin und Lysin sind beides basische Aminosäuren. Während Arginin die Replikation (Vermehrung) von Herpesviren positiv beeinflusst, also beschleunigt, scheint Lysin deren Replikation zu hemmen. Wird nun viel Lysin aufgenommen, steht im Körper weniger Arginin zur Verfügung, sodass die Herpesviren sich nicht mehr ausreichend vermehren können – so die Theorie.
Eisen, Wundheilung und Arteriosklerose
Auf alle drei Bereiche hat die Aminosäure Lysin eine Wirkung. Eine erhöhte Lysin-Zufuhr erhöht die Hämoglobin-Werte im Blut, sorgt also für eine höhere Absorption des Spurenelements Eisen.
Zudem sorgt Lysin über seine Funktion im Kollagenstoffwechsel für eine optimierte Wundheilung und wird zugleich bei der Prävention von Arteriosklerose eingesetzt. Hier kann Lysin die Anlagerung von Blutfetten, genauer dem Lipoprotein a verhindern.

Methionin – Startpunkt jeder Synthese
Methionin ist diejenige Aminosäure, mit der jede Aminosäurekette beginnt. Immer. Überall.
Von Methionin zu SAM
L-Methionin ist eine essenzielle Aminosäure, die im Körper jedoch noch in ihre bioaktive Form umgewandelt werden muss. Dazu wird unter Energieverbrauch durch ein Enzym ein Triphosphat vom Methionin abgespalten. Es entsteht die aktive Form S-Adenosyl-Methionin, kurz SAM.
In dieser stoffwechselaktiven Form kann SAM sogenannte Transmethylierungsprozesse einleiten, was im Stoffwechsel wichtig ist für die Biosynthese verschiedener Stoffe, wie z.B. Adrenalin, Glutathion, Melatonin und auch die Methylierung der DNA und RNA, was diese vor Abbau schützt.
Fettlösend und leberschützend
Methionin wirkt lipotroph, was bedeutet, dass es fettlösend wirkt und übermäßige Fetteinlagerungen in der Leber verhindern kann. Es hilft auch bei Hypertriglyzeridämie – also wenn zu viele freie Fettsäuren im Blut schwimmen. Hier fördert Methionin den Abbau der Triglyceride. Zudem unterstützt L-Methionin die Regeneration von Leber und Nierengewebe.
Antioxidans und Entgiftungs-Spezialist
SAM wirkt als Radikalfänger und kann so freie Radikale unschädlich machen und antioxidativ wirken. Auch bei der Entgiftung hat es eine wichtige Rolle. Hier steigert Methionin in Verbindung mit Zink die Ausscheidung von Schwermetallen.
Histamin und L-Methionin
Histamin ist ein wichtiger Botenstoff bei Allergien und Unverträglichkeiten und wird bei diesen Vorgängen vermehrt ausgeschieden, was zu den bekannten Unverträglichkeitsreaktionen führt. Methionin kann durch die Methylierung von Histamin dieses umwandeln, sodass der Histaminspiegel im Blut kontrolliert niedrig bleibt.
Regeneration
Methionin ist wichtig für die Verwertung anderer Aminosäuren, wie Glycin und Serin. Auch das Spurenelement Selen ist in seiner Wirkung und Verstoffwechselung auf ausreichend Methionin angewiesen. Zudem besteht nach einem anstrengenden Training ein erhöhter Methionin-Bedarf, um die Regeneration der beanspruchten Gewebe optimal sicherzustellen.
Harnwegsinfektionen
Bakterielle Entzündungen der Harnwege, wie eine Entzündung der Blase beispielsweise, sorgen oft dafür, dass der Urin alkalisch wird – ein Milieu, in dem die Bakterien sich pudelwohl fühlen. Die Gabe von Methionin kann dazu führen, dass der pH-Wert sich in den sauren Bereich verschiebt, was die Ansiedelung der Bakterien erschwert und die Therapie unterstützt.

Threonin
Threonin gehört, gemeinsam mit Lysin und Methionin, zu den drei Aminosäuren, die bei den Erkrankungen PSSM und MIM nachweislich in einem höheren Tagesbedarf benötigt werden.
Eiweißbaustein des Immunsystems
L-Threonin ist wichtig für die reibungslose Funktion des Immunsystems. Dazu findet es Verwendung bei der Produktion von Antikörpern und Immunglobulinen, die die Immunantwort übernehmen und für die Abwehr von Erregern essenziell wichtig sind.
Schleimhautschutz im Magen
Weiterhin spielt L-Threonin eine wichtige Rolle bei der Bildung von Schleimstoffen, sogenannten Muzinen. Diese werden in Drüsen gebildet und an die Schleimhaut abgegeben. Vor allem im Magen ist dies besonders wichtig, da hier die empfindliche Schleimhaut durch den auf ihr befindlichen Schleim vor der aggressiv-sauren Magensäure geschützt wird.
Energiegewinnung bei Belastung
Grundsätzlich können alle Proteine zur Energiegewinnung herangezogen werden. L-Threonin wird gern bei starker körperlicher Belastung als zusätzliche Energiequelle genutzt und vom Körper als solche verstoffwechselt.

Leucin – eine BCAA
Beteiligt am Aufbau und Erhalt von Muskulatur
L-Leucin ist als proteinogene essenzielle Aminosäure am Aufbau von Proteinstrukturen beteiligt. Doch sie kann noch viel mehr. Neben den Aminosäuren Valin und Isoleucin gehört auch Leucin zu den verzweigtkettigen Aminosäuren, den BCAAs. Diese sind besonders wichtig für den Aufbau und den Erhalt gesunder, arbeitsfähiger Muskulatur.
So wirkt Leucin dem immobilitätsbedingten Muskelabbau entgegen. Dies geschieht vermutlich durch die Oxidation von Leucin in den Muskelzellen. Bei körperlicher Betätigung wird durch diese Oxidation von Aminosäuren ein Teil der Energie gewonnen, den die Muskelzellen benötigen, um arbeiten zu können.
Wird nun Leucin oxidiert, entsteht Ketoisocaproat, kurz KIC. Forscher vermuten, dass das KIC den Proteinaufbau stimuliert und dadurch den Muskel zum Wachstum anregt. Wird nun wiederum das KIC oxidiert entsteht dabei das Produkt beta-Hydroxyf-Methyl-Butyrat (HMB). HMB verhindert den Abbau von Muskelprotein und trägt zur Aufrechterhaltung von Muskelmasse bei.
Energiegewinnung durch Oxidation von Aminosäuren
Stehen dem Körper keine leicht verfügbaren Kohlenhydrate zur Verfügung, gibt es für ihn noch andere Wege, an Energie zu kommen und v.a. das empfindliche Gehirn oder eben auch die Muskulatur mit Energie zu versorgen. Dies geschieht beispielsweise durch die Verbrennung von Fett, die Gluconeogenese in der Leber oder eben auch durch die Verwertung von Aminosäuren.
So wird unter anderem auch Leucin in der Leber verarbeitet und in der Ketogenese verwendet. Hierbei entstehen v.a. die Ketonkörper Acetacetat und Betahydroxybutyrat.
Diese stellen wichtige Energiequellen dar und versorgen auch das zentrale Nervensystem in Zeiten erhöhten Bedarfs oder reduzierter Kohlenhydrataufnahme mit der wichtigen Energie.
Wechselwirkungen und Cofaktoren
Die alleinige Einnahme von Leucin wirkt sich Untersuchungen zur Folge noch nicht positiv auf den Organismus aus. Hier gehört, wie bei allem, die Ausgewogenheit der Ernährung und gesunde Lebensführung essenziell mit dazu.
Leucin kann in Kombination mit den beiden anderen BCAAs Isoleucin und Valin eingenommen werden. Auch die B-Vitamine Biotin, Pantothensäure und Pyridoxin sind wichtig für den Stoffwechsel der Aminosäure Leucin und sollten dementsprechend ebenfalls Beachtung finden.
Auf Umwegen zur Fettverbrennung
Leucin hat noch eine weitere „Funktion“, die es im Organismus triggert. Es unterstützt die Sekretion von Somatotropin. Dieses Hormon wird auch als Wachstumshormon bezeichnet und regelt während dem Erwachsenwerden das Längenwachstum des Körpers. Doch auch im ausgewachsenen Zustand ist es noch wichtig. So regt Somatotropin über einen Regelmechanismus die Ausschüttung von Insulin an.
Gemeinsam fördern Insulin und Somatotropin den Transport von Aminosäuren zu den Zellen, wo diese zum Aufbau von neuem Gewebe und zur Proteinbiosynthese verwendet werden.
Auch für diesen Prozess ist es wichtig, dass Leucin begleitet wird von den anderen BCAAs, sowie den B-Vitaminen und auch einem ausgewogenen Verhältnis der Mineralien Zink, Kalium, Calcium und Magnesium.

Valin – eine BCAA
Verzweigtkettige Aminosäuren
Es gibt drei Aminosäuren, die zu den BCAAs gehören, den verzweigtkettigen Aminosäuren. Dies sind neben L-Valin auch L-Leucin und L-Isoleucin. Diese drei Aminosäuren sind besonders wichtig für die Muskulatur. So kann Valin im Kraftsport und beim Ausdauertraining als Energielieferant hinzugezogen werden und ist gleichzeitig ein wichtigster Bestandteil der Muskelproteine.
Muskelaufbau und Stressreduktion
L-Valin triggert die Ausschüttung von Insulin aus den Beta-Zellen des Pankreas und reguliert so nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Aufnahme von Aminosäuren in die Muskelzellen. Dadurch fördert Valin den Muskelaufbau. Auch wird ein schnelles Absinken des Cortisol-Spiegels im Blut gefördert.
Wichtige Kofaktoren für die Verstoffwechselung der BCAAs, und damit auch von Valin, sind die Vitamine Biotin und Pantothensäure (Vitamin B5), sowie Vitamin B6 (Pyridoxin).
Dauerhafter Stress führt zu einem ständig erhöhten Cortisol-Spiegel im Blut. Dies fördert den Muskelabbau, was Valin und die anderen BCAAs gern verhindern. Bei körperlichen oder psychischen Stresssituationen kann eine vermehrte Zufuhr von Valin diesen stressbedingten Muskelabbau vermindern und im besten Fall sogar zu verstärktem Muskelaufbau führen.
Zentralnervöser Botenstoff
L-Valin ist nicht nur wichtig für den Erhalt und Aufbau von Muskulatur. Die Aminosäure kann ebenfalls als Vorstufe von bestimmten Neurotransmittern dienen und hat damit eine wichtige Funktion im Stoffwechsel des Gehirns und des Nervensystems. Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Reize zwischen den Nervenzellen übertragen und somit eine Kommunikation ermöglichen. Beispielsweise Serotonin, Histamin, Glutamat, oder Acetylcholin, Adrenalin und Dopamin gehören in diese Kategorie.
Die Zufuhr von L-Valin kann eine Steigerung der zerebralen Leistungsfähigkeit unterstützen und kann Einfluss nehmen auf die Merkfähigkeit, Konzentration, Belastbarkeit, Vergesslichkeit, das Durchhaltevermögen und auf die Nervosität.
Synthese und Ausschüttung des Wachstumshormons
Das Hormon Somatotropin (somatotropes Hormon, STH) ist ein Wachstumshormon aus der Adenohypophyse und ist wichtig für das Längenwachstum vor allem in der Pubertät. Es wirkt auf nahezu alle Körpergewebe, vor allem auf die Knochen, die Muskulatur und auch auf die Leber. Bei einem ausgewachsenen Organismus regelt STH vor allem das Verhältnis von Muskelmasse zu Fett.
Gemeinsam mit verschiedenen anderen Kofaktoren ist L-Valin wichtig für die Synthese und die regelgerechte Ausschüttung von STH. Hier zu nennen vor allem das Vitamin B6 (Pyridoxin), Calcium, Magnesium, Zink und Kalium.

Isoleucin – eine BCAA
Auch Isoleucin gehört zu den verweigtkettigen Aminosäuren.
Verzweigtkettige Aminosäuren
Es gibt drei Aminosäuren, die zu den BCAAs gehören, den verzweigtkettigen Aminosäuren. Dies sind neben L-Valin auch L-Leucin und L-Isoleucin. Diese drei Aminosäuren sind besonders wichtig für die Muskulatur. Isoleucin wird bei Muskelarbeit, sowohl im Kraft- als auch Ausdauerbereich, vermehrt zur Gewinnung von Energie herangezogen und versorgt so den Muskel mit Kraft. Bei Isoleucin-Mangel wurde im Humanbereich beobachtet, dass es zu Muskelschwäche, Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit kommt.
Muskelaufbau
Isoleucin stimuliert die Insulinausschüttung und erhöht den Transport von Aminosäuren in die Myozyten, die Muskelzellen. Gemeinsam mit Valin und Leucin sorgt Isoleucin dafür, dass es zu einem verstärkten Aufbau von Protein in der Muskulatur kommt und damit der Muskel an Kraft und Masse zunimmt.
Isoleucin sorgt zudem dafür, dass Glykogen, eine Zuckerspeicherform, in den Muskelzellen eingelagert wird, wo es bei Bedarf schnell und effektiv in Energie umgewandelt werden kann.
Mentale Erschöpfung und Stressreduktion
Nicht nur für den Muskel hat Isoleucin Vorteile. Gemeinsam mit den zwei anderen BCAAs konnte in Studien nachgewiesen werden, dass die unter Belastung einsetzende mentale Erschöpfung hinausgezögert werden kann.
Vor allem bei Stress, wenn das Stresshormon Cortisol im Körper umhergeht, ist der Muskelaufbau gehemmt. Es kann hier sogar bei falschem Training, bei dem immer mehr Cortisol freigesetzt wird, zu teils starkem Muskelabbau kommen. Diese Reaktion wird Proteinkatabolismus genannt (Abbau von Protein). Der katabolen Stoffwechsellage wirkt Isoleucin, gemeinsam mit den anderen BCAAs entgegen. Es kommt zu einem schnellen Abbau von Cortisol, sodass der Körper, durch die Anhebung des Insulinspiegels in eine anabole Stoffwechsellage zurückfindet und Körpergewebe erhalten und sogar aufgebaut werden kann.
Inaktivitätsatrophie
Inaktivitätsperioden, ob durch Trainingspausen oder verletzungsbedingte Ruhephasen, die vom Tierarzt verordnet wurden, führen zu Muskelabbau. Das ist ganz normal und nicht aufzuhalten, denn ganz nach dem Motto: Was gebraucht wird, bleibt erhalten werden Muskeln kleiner, die der Körper nicht regelmäßig mit neuen Reizen trainiert.
Die BCAAs Isoleucin, Valin und Leucin können diesen Muskelabbau etwas hinauszögern und Muskelmasse auch in Ruhephasen besser und leichter erhalten.

Tryptophan – Serotoin-Vorstufe
Proteinaufbau und Provitamin
L-Tryptophan ist eine proteinogene Aminosäure, ist also wichtig für den Aufbau von Proteingewebe, wie zum Beispiel Muskulatur. Zudem ist es die Vorstufe des Vitamin B3, also das Provitamin zu Vitamin B3. Diese Umwandlung zu Vitamin B3 geschieht in der Leber. Doch nicht nur zu Vitamin B3 kann Tryptophan umgewandelt werden. Es ist auch wichtig bei der Bildung des NAD (Nikotinamid-Adenin-Dinukleotid), welches zu den Niacinen, den B3-Vitaminen gehört. NAD und NADP sind unter anderem am Energiestoffwechsel des Körpers beteiligt.
Tryptophan wird zu Serotonin
Auch als Vorstufe vom sogenannten Glückshormon Serotonin ist L-Tryptophan wichtig. Serotonin ist ein Neurotransmitter, also ein wichtiger Botenstoff im Nervensystem, im Herz-Kreislauf-System und im Darm.
Um L-Tryptophan zu Serotonin umzubauen, ist die Anwesenheit von Vitamin B6 und Vitamin B3, sowie Magnesium wichtig. Diese Synthese verläuft in zwei Schritten über die aktive Form 5-HTP. Ist der Körper in einem chronischen Stresszustand kommt es zum vermehrten Abbau von Tryptophan, ohne dass die aktive Zwischenstufe 5-HTP gebildet wird, sodass es auch zu einer verminderten Serotonin-Produktion kommt.
Melatonin – das Schlafhormon
Melatonin wird aus Serotonin in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet. Es ist nachtaktiv und wird nur bei Dunkelheit gebildet. Als Steuermechanismus ist es besonders wichtig für einen gesunden Schlafrhythmus mit ausreichend Tiefschlafphasen zur Regeneration des Körpers.

Phenylalanin
Kaum Literatur
Über die Wirkung von Phenylalanin gibt es nur eine Handvoll Untersuchungen. Gesichert ist die Tatsache, dass auch Phenylalanin ein extrem wichtiger Baustoff ist, der als Grundlage der Synthese nicht-essenzieller Aminosäuren gilt. Gibt es kein Phenylalanin, können diese also nicht hergestellt werden. Selbst wenn Phenylalanin nur dafür wichtig wäre, wäre es überlebenswichtig und unabdingbar.
Strukturgebung
Proteine sind nicht nur wichtig für nahezu jede Körperfunktion. Sie geben auch Struktur und Stabilität. Phenylalanin ist sowohl an der Strukturgebung des Körpers beteiligt, als auch an der Bildung und Arbeit verschiedener Funktionsproteine.
Synthese-Grundgerüst
Weiter gesichert ist die Tatsache, dass Phenylalanin als wichtiger Ausgangsstoff an der Synthese von Fettsäuren und Ketonkörpern beteiligt ist. Phenylalanin bildet hier das Grundgerüst und den Ausgangspunkt dieser Stoffwechselvorgänge.

Histidin
Glucose-Synthese
Histidin ist eine bisher nicht allzu intensiv erforschte Aminosäure. Wichtig ist sie vor allem, nach bisherigem Wissensstand, als Ausgangsstoff für die Bildung nicht-essenzieller Aminosäuren; als Baustein für Funktionsproteine und Sturkturproteine des Körpers; als Bestandteil von Muskelfasern und in der Histamin-Biosynthese.
Zuguterletzt ist L-Histamin das Grundgerüst für die Eigensynthese von Glucose, die im Körper im Rahmen des Energiestoffwechsels stattfindet.
Muskelfaser-Aminosäure
Histidin ist unter anderem wichtig für die Muskelfasern. Als 3-Methylhistidin ist es Bestandteil dieser wichtigen, kleinsten Muskelzellstrukturen und sorgt für eine reibungslose Funktion und gesunde Muskelfasern.
Histamin-Synthese
Histidin ist nicht zu verwechseln mit dem Stoff Histamin. Histamin ist ein Geweberhormon und Neurotransmitter, der vor allem im Rahmen von Entzündungen und Allergien im Körper Aufsehen erregt. Dabei ist vor allem ein Zuviel an Histamin oft problematisch.
Histidin ist nicht gleich Histamin. Die Aminosäure Histidin ist jedoch an der Biosynthese von Histamin essenziell beteiligt.

Überbordende Funktionen
Aminosäuren sind also viel mehr als nur Bausteine für Muskelgewebe. Sie sind für sämtliche Vorgänge im Körper mitverantwortlich oder zumindest in großem Maße daran beteiligt. Natürlich gibt es noch viele weitere Funktionen und auch viele weitere Aminosäuren, die wiederrum viele Funktionen im Körper haben. Dessen Interesse ich mit diesem Blogartikel wecken konnte, dem kann ich nur empfehlen, sich in der einschlägigen Fachliteratur umzusehen. Diese ist hochinteressant.